Gemeinschaft der Schwestern Jesu

„Ihr aber gehört Christus“

Ansprache von Bischof Josef Hrdlička

Friede und Heil euch allen, Freunde, Kinder Gottes, werter Herr Nuntius, Herr Erzbischof, Gesellschaft Jesu, liebe ehrwürdige Schwestern Jesu aus unserem kirchlichen Umfeld, liebe Schwestern und Freunde aus Österreich, Verwandte, Landsleute und Leute aus Dolní Čermná und anderen Orten, Gemeinschaft voller verwandter Seelen in Glaube, Liebe und den Idealen, die uns auch mit Pater Robert verbunden hat, von dem wir uns heute verabschieden.

Das Wort Gottes, das bei diesem Requiem erklungen ist, war so voll Hoffnung und Licht des Trostes, dass was auch immer man in diesem Augenblick sagen soll, notwendigerweise von dem ausgehen muss, was Gott mit seinem Wort sagt, eingehaucht durch den Heiligen Geist. Dann ist ganz sicherlich unser Abschied von unserem lieben Pater Robert von dem Geist erfüllt, der so greifbar und wesenhaft in seinem Leben gegenwärtig war, in seiner Persönlichkeit und in seinem Wirken. Die Auswahl der Texte des Wortes Gottes, die erklungen sind, haben die hier anwesenden Schwestern Jesu getroffen. Dort können wir das verfolgen, was mit unserem verstorbenen Bruder Robert wesenhaft zusammenhängt, und wo wir auch den goldenen Faden der Führung Gottes in seiner Lebensgeschichte erkennen, einschließlich der Zeit der Unterdrückung und der Verfolgung der Kirche.

In der ersten Lesung sagte Gott zu Abraham: „Zieh weg aus deinem Land.“ Mit anderen Worten: Verlass deine Heimat, geh ins Unbekannte, gehe dorthin, wohin ich dich führe. Etwas Ähnliches hat sicher auch Pater Robert gefühlt, als er in dunkler Nacht, damals vor fünfzig Jahren, unter dramatischen Umständen, in unbekanntem und schwierigem Terrain seine Heimat verließ und der Stimme Gottes folgte. Der Herr versichert damals Abraham noch, dass alles, was dabei geschehen werde, gesegnet sei und er selber zu einer Quelle des Segens werde. Mit dem zeitlichen Abstand können wir sehen, wie sich eine solche Verheißung Gottes im Heilsplan erfüllen kann, sowohl im Leben unseres entschlafenen Bruders, aber eigentlich im Leben aller Menschen, die ihm vertrauen und ihm ihr Leben und ihre Wege anvertrauen mit dem Wissen, dass was auch immer geschehen werde, „der Herr stillt mein Verlangen, er leitet mich auf rechten Pfaden, auch in finsterer Schlucht fürchte ich kein Unheil, denn er ist mit mir.“

Der Abschnitt der zweiten Lesung aus dem Philipperbrief beinhaltet eine starke Aussage für die Heilige Woche, in der wir gerade sind mit der weltweiten Kirche, mit der Kirche im Himmel und auch auf Erden. Paulus sagt, dass er um Christi Willen auf alles verzichtet hat, dass für ihn alles wertloser Unrat ist, dass Jesus für ihn alles ist, dass er von Jesus ergriffen ist und er deshalb ihm ähnlich werden will im Leiden, im Kreuz und in der Auferstehung. Auch Robert war ergriffen von Christus und bemühte sich um eine völlige Selbsthingabe in seinen Diensten. Die Ausschließlichkeit der Selbsthingabe Jesu am Kreuz erweckt die Sehnsucht Jesus ähnlich zu werden, und es betrifft jeden, der ihn von ganzem Herzen liebt. Paulus sagt: „sein Tod soll mich prägen.“

Das Lächeln auf dem Foto beim Sarg von von Pater Robert, sein gleichsam unwiderstehliches Lächeln eines reinen Herzens und der Freude, zeigt, dass ein Begräbnis nicht eine funebre Angelegenheit ist, sondern ein Feiern auf hohem Niveau, wie es auch die Fanfaren zum Beginn der Liturgie bezeugt haben. Wir feieren. Wir trauern nicht. Es bleibt uns in Erinnerung, wie Robert menschliches Entgegenkommen, freudige Liebenswürdigkeit, aber auch ein unbestechliches und kompromissloses Unterscheiden der Geister zwischen dem, was gut und böse ist, und nicht nur das, sondern auch das mühevolle Unterscheiden zwischen dem, was gut und was noch besser ist, in sich vereinen konnte. Denn von Christus ergriffen zu sein bedeutet ihn ständig vor Augen zu haben und ihm ohne Kompromisse und ohne Vorbehalte zu folgen. Auch das ist sein Vermächtnis an uns. Wir sollen uns nicht zufrieden geben mit einer irgendwie mittelmäßigen Nachfolge des Herrn, sondern ihm von ganzem Herzen nachfolgen.

Der Ruf vor dem Evangelium lautete: „Selig, die im Herrn sterben; sie sollen ausruhen von ihren Mühen; denn ihre Werke begleiten sie.“ An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Dann sagt Jesus im Abschnitt des Evangeliums für diesen Moment auch uns: „Wenn das Weizenkorn nicht stirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.“

Mit diesen Gedanken stehen wir in diesem Augenblick am Sarg von Pater Robert Kunert – zwar im Schmerz, aber noch mehr in der Hoffnung, denn seine Früchte sind nachweislich hier: eine Gemeinschaft von geweihten Seelen unter uns, eine Kommunität, die er gegründet und lange Jahre im Geist der Spiritualität des heiligen Ignatius von Loyola geistlich geführt hat. Sie wirkt schon dreißig Jahre bei uns und enfaltet sich, Gott sei Dank. Wir glauben und hoffen, dass, nachdem der Gründervater, Pater Robert, die Schwelle des Todes in die Ewigkeit überschritten hat, dieses Werk in der Kraft des Geistes fortsetzen und sich für uns eine Dimension neuer Möglichkeiten eröffnen wird. Wer zu Christus geht, den verlieren wir nicht. Im Gegenteil, er wird für uns zu einem neuen Bindeglied mit dem Himmel, wo auch unser Ziel ist.

Von Pater Robert können wir sagen, dass er nicht einmal so sehr ein Fachmann der Theologie im wissenschaftlichen Sinn des Wortes war, auch wenn er großartig die Funken des heiligen Ignatius, dieses Juwel der Kirche, in heutiges Tschechisch übersetzt hat. Er war einfach beschenkt mit dem Charisma der geistlichen Seelenführung. Er konnte auch in den einfachsten Leuten auf verständliche Art und Weise Frömmigkeit und Wachstum im Glauben und in der Liebe, eine Umwandlung des Lebens wachrufen.

Für uns Priester geht daraus hervor, dass auch wir öfter über den Satz: „Das Heil der Seele ist das höchste Gesetz für die Erfüllung der priesterlichen Sendung“ nachdenken und uns erforschen sollen. Und über das damit zusammenhängende ignatianische Motto: „Omnia ad maiorem Dei gloriam. Alles zur größeren Ehre Gottes.“ Es genügt nicht nur zu sagen: Alles zur Ehre Gottes, sondern alles zur größeren und immer und immer größeren Ehre Gottes. Gerade diese Steigerung, die alle großen Heiligen gefühlt haben – mehr und noch mehr an Jesus hängen – hängt eng mit dem echten und dem falschen Weg zur Heiligkeit zusammen, was uns oftmals entgeht. Dem Herrn nicht nachzufolgen in Schritten, sondern im Lauf um den Siegespreis, in der Bewegung eines vollen Einsatzes, wenn es um alles geht, wenn es ums Leben geht, um das ewige Leben. Wir bitten den Herrn, dem lieben Robert die Schwächen und Fehler zu vergeben, die niemandem von uns erspart sind, alle brauchen wir im Tod die Barmherzigkeit des Herrn. „Wer mehr bekommen hat, von dem wird mehr erwartet.“

Gott sei Dank gesagt dafür, dass der verstorbene Pater Robert Kunert die letzten zehn Jahre seines Lebens in Olomouc im Haus der Schwestern Jesu verbrachte. Und als sein Alter voranschritt und er das Kreuz einer längeren Krankheit, des Sterbens und des Todes trug, erfuhr er die aufmerksame und liebevolle Pflege jener, die er selber zum Ideal des Dienstes an Gott und den Nächsten geführt hatte. Die Schwestern können sicher bezeugen, als ihm die Krankheit Schritt für Schritt die Fähigkeit zu kommunizieren nahm, eine nach der anderen, der Rede, des Gedächtnisses, der Bewegung oder der Wahrnehmung, strahlte er einfach nur schweigend das aus, was er gelebt und was er bezeugt hatte. Nur das Kreuz ist ihm geblieben. Das wurde ihm erst jetzt abgenommen als es bis zum Ende getragen war. Es ist im Geist des Gebetes des heiligen Ignatius, das auf der Rückseite seines Bildes ist. „Nimm hin, o Herr, meine ganze Freiheit. Nimm an mein Gedächtnis, meinen Verstand, meinen ganzen Willen. Was ich habe und besitze, hast du mir geschenkt. Ich gebe es dir wieder ganz und gar zurück.“

Auch ich danke ihm für viele schöne Augenblicke, geistliche und sakramentale Begegnungen und Austausch. Ich ende mit dem letzten Satz aus dem heutigen Evangelium, wo der Herr uns sagt: „Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.“ Mögen sich diese Worte des Herrn auch hinter der Schwelle des Todes ebenso an unserem lieben Vater, Bruder, Freund Robert Kunert erfüllen. Requiescat in pacem!