Gemeinschaft der Schwestern Jesu

„Ihr aber gehört Christus“

Dank von Sr. Marie Čeganová

„Jetzt ist schon nur mehr Er und ich…“

Wenn ich heute, unsere liebe Schwester Marta, am Ende Dei­nes irdischen Weges im Namen aller Deiner 40 Mit­schwestern, Dankbarkeit für Dein gesegnetes Leben zum Aus­druck bringen will, ist das für mich nicht ganz einfach. Zuerst vielleicht deshalb, weil ich weiß, wie wesenhaft es für Dich war, nicht im Vordergrund zu stehen. Und daher wäre eine Rede zu halten über Deine Verdienste nicht das, was Dir Freude machen würde. Noch weniger einfach ist es für mich, in Kürze die Bedeutung Deines spannenden Weges zusammenzu­fassen, auf dem Du Deinem Herrn begegnet bist und Dich ihm ganz zur Verfügung gestellt hast. Und ebenso nicht einfach ist es, in Worte zu fassen, was jede von uns fühlt, wenn wir unse­rer ältesten Schwester das Geleit geben, die für uns mehr als eine Vorgesetzte oder Novizenmeisterin war, die eine ganze Generation tschechischer Schwestern erzogen hat. Auch wenn Du niemals darauf gebaut hast, warst Du und bleibst Du für immer die erste Schwester, ohne die die Gemeinschaft der Schwestern Jesu nicht entstanden wäre. Also jene, die zusam­men mit P. Robert die Absichten Gottes erkannt hat und ihnen mutig ihre Zustimmung erteilt hat. So hast du jahrelang durch Deine klare Verankerung in Gott und gleichzeitig mit mensch­lichem Zugang das Umfeld geschaffen, damit Gott weiterhin berufen kann…

Anfang 1991 bin ich Dir begegnet, als in Moravská Húzová unweit von hier die Gemeinschaft ihre ersten Würzelchen auf tschechischem Boden geschlagen hat, und viele Jahre ver­brachte ich in der Zusammenarbeit mit Dir. Heute bin ich mir schon mehr bewusst, welch tiefgreifende Herausforderung Gott Dir damit bereitet hat. Im Alter von 58 Jahren kehrtest Du nach langer Emigration in die Heimat zurück, um die Erziehung der jungen tschechischen Schwestern in die Hand zu nehmen, die Gott in reicher Zahl berief. Und es waren keine leichten An­fänge. Mit Deiner Zielstrebigkeit und Zähigkeit jedoch hast Du die ersten Jahre der Läuterung mit uns durchgemacht und hast nie irgendwie merken lassen, wie sehr es an Dir zehrt. Der Schwung und die Flinkheit der Bewegung waren Dir in die Wiege gelegt und spiegelten sich auch in Deinem Geist. Oft sind wir Deinem Tempo nicht hinterhergekommen, weil es Dir einfach gegeben war voranzuschreiten… Damit hast Du uns ständig den Weg gezeigt. Bis in die letzten Jahre und Tage strahlte Deine Klarheit des Zieles aus Deinen Augen und auch Worten. Es war lieb Dir zu begegnen, einfach auf einen Sprung zu „einer Unterhaltung“ bei Dir vorbeizukommen und Dir von den eigenen Kämpfen zu erzählen. Keine ging ohne Aufmunte­rung von Dir weg.

Es war Dir zu eigen, für die höchsten Ideale und Werte zu le­ben. Dieses „feine Wählerischsein“ ließ Dich in der Jugend lange warten, bis Du Deinen richtigen Weg erkanntest. Und auch später hast Du Dich niemals mit etwas zufrieden gegeben, was nicht Gottes war. Schließlich ist Dein Leben ausgereift in der Zeit des unablässigen Gebetes und des geduldigen Ertra­gens der Beschwerden, die das Alter mit sich bringt. Deine Zu­friedenheit, Bescheidenheit und Dankbarkeit waren für uns alle ein großes Geschenk. Täglich neu und neu geschenkt. Sie entsprangen aus Deinem riesigen inneren Glück und Staunen über Deine Berufung und über die Treue Gottes. Deshalb hatte auch Dein Herz das ständige Bedürfnis für weitere Berufungen zu beten und zu leben – die von uns Schwestern und auch von vielen anderen. Du wolltest, dass auch die anderen Gottes Güte und Schönheit verkosten, die in der Weihe an Ihn liegen.

So, wie Schwung, Bescheidenheit, Zielstrebigkeit oder die Sehnsucht höhere Werte weiterzugeben zu Deinem ganzen Le­ben gehörten, zeigten sich diese Züge auch an dessen Ende. Auch wenn Du Dich selber auf den Ruf Deines Herrn schon lange gefreut hast, so hat uns doch seine Raschheit getroffen. Vielleicht umso mehr, weil seit dem Weggang von P. Robert nur zwei Monate vergangen sind. Aber auch das gehört zu Dei­ner Sendung in der Gemeinschaft. Ich vergesse nicht auf deinen kindlich vertrauenden Blick und die Worte, mit denen Du Dich von uns vor der unerwartet akuten Operation verabschiedet hast: „Jetzt ist schon nur mehr Er und ich…“ Sie sind für mich ein tiefes Vermächtnis, mit dem Du uns den Weg weiter zeigst. Schwester Marta, danke!