Společnost sester Ježíšových

Gemeinschaft der Schwestern Jesu

„Ihr aber gehört Christus“

Spiritualität

Vermächtnis des hl. Ignatius

Wenn sich ein junger Mensch für die Nachfolge Christi entscheidet, fragt er nach dem Weg, wie diese Aufforderung Schritt für Schritt zu verwirklichen ist. Das im Evangelium festgehaltene Leben Jesu provoziert ihn zum Bemühen, mit dem eigenen Leben zu antworten, dessen Wahrheit weiterzutragen. Für das konkrete Verständnis dieser göttlich-menschlichen Herausforderung sucht er trotzdem die Hilfe derer, die der Geist Christi besonders dazu inspiriert hat, in ihrer Zeit Christus von neuem sichtbar zu machen.

Für die Schwestern war und ist dieser „ältere Bruder“ der hl. Ignatius von Loyola, dessen Charisma sie in der Gemeinschaft der Schwestern Jesu aktuell verwirklicht finden. Es überrascht sie immer neu, wie tragfähig und aktuell die Erfahrungen eines Zeugen, der vor 500 Jahren lebte, für einen Menschen des 21. Jahrhunderts sein können, der in einer ganz anderen Gesellschaft lebt. Das ist ein Beweis, dass der Geist Christi über Zeiten, Kulturen und Modetrends hinweg immer gleich bleibt, wenn das Herz der Menschen auf das wahre Ziel hinsteuert. Von diesem Geist ließ sich auch P. Kunert SJ führen, um der Gemeinschaft ihre spezifische Ausrichtung einzuprägen.

Wodurch diese Spiritualität den Schwestern immer neu erscheint, ist die Freiheit in Gott, zu der sie einen Menschen führt, der bereit ist, sich von sich selber loszulösen. Ein solcher Mensch sucht also nichts anderes als das, was in der gegebenen Situation eine Möglichkeit zu größerem Lob und größerer Ehre Gottes darstellt. Das sind Augenblicke, wo der Mensch die Freiheit der vollen Einheit mit Gott erlebt, das Bewusstsein, dass er das Ziel erblickt hat, für das er geschaffen ist. Die Erkenntnis dessen, was im jeweiligen Moment bei Gott „mehr“ ist, verlangt allerdings, mit ihm verbunden zu sein, immer auf ihn zu hören und auch eine Stütze in der Gemeinschaft derer zu haben, die sich intensiv um diese Verbindung bemühen.

spiritualitaDer hl. Ignatius verstand und vermittelte seinen Gefährten das Geheimnis der scheinbar paradoxen Verbindung von Freiheit und Gehorsam. Erst wenn der Suchende sein Schicksal, seine Entscheidung in die Hand eines Menschen legt, findet er eine neue Dimension seiner Freiheit in Gott. Ihm wird immer mehr bewusst, wie wichtig in seinem Leben diese menschliche Hand ist, die sein Leben abschleift und es in das – für ihn nicht wahrnehmbare – Mosaik des göttlichen Planes einsetzt.

Das – sich führen zu lassen – lernen die Schwestern ständig. Der Mensch würde gern verstehen, warum gerade er, gerade hier und gerade das; wie sich seine Aufgabe in den göttlichen Plan einfügt. In absoluter Freiheit mit einer Idee kommen und sie vom Blick der anderen überprüfen, ergänzen oder ablehnen lassen. Erst später stellt der Mensch fest, dass der Sinn des ganzen Prozesses darin besteht, dass er lernt zu warten und auf die anderen und auf Gott in seinem Inneren zu hören.

Die ignatianische Spiritualität hat eine intensive Dynamik. Um ihre Kraft nicht zu verlieren, verlangt sie vom Menschen, nicht stehen zu bleiben, immer ein Pilger des göttlichen Willens zu sein, der vor der Welt fest zur erkannten Wahrheit steht und vor Gott jeder Regung der Gnade gegenüber offen ist. Dabei handelt es sich aber nicht um ein süßes oder abstraktes Nachdenken über die Güte Gottes. Die tiefe Verbindung mit dem immer aktiven Gott mündet in die Tätigkeit ein, in die tägliche geduldige Arbeit an sich und für die anderen, die mit der unsichtbaren Kraft kleiner Opfer die Möglichkeit hat, die Welt um uns herum zu heiligen. In seinem Wesen ist das geistliche Leben eine Einheit der Gegensätze: der Harmonie und Ausgeglichenheit des Menschen, der in Demut sich selbst und die anderen annimmt, und zugleich der Unzufriedenheit, die zum Kampf mit seinen Fehlern und zum Kampf mit dem Bösen um sich herum aufrüttelt.

Ein wichtiger Pfeiler der Spiritualität der Gemeinschaft ist die Unterscheidung dessen, was vom Geist Gottes getragen ist, und wo die Welt im Vordergrund steht; die Unterscheidung des Wesentlichen und Unveränderlichen vom Sekundären, das sich der Situation und Zeit entsprechend ändert (Geistliche Übungen Nr. 313-336). Die Regel ist auf den ersten Blick sehr klar, aber in der Praxis lässt sich der Mensch oft vom Schein der Dinge täuschen. Er muss sich bewusst sein, wie wichtig es ist, stehen bleiben und nachdenken zu können. Aber nicht nur das. Noch wichtiger ist es, das Erkannte zu wollen und danach zu handeln nicht nur einmal, sondern immer von neuem.

Ein Schleifstein des Eifers jeder Schwester sind die Exerzitien. In ihnen reinigt sich ihre Liebe zu Christus und befreit sich von aller Oberflächlichkeit und Ermüdung. Sie sind eine Schule des Gebetes und eine Werkstatt, in der sich die Schwestern zum Kampf mit dem Bösen in sich und in der Welt um sich herum stärken. In den Exerzitien konzentrieren sich die Schwestern auf das gleiche Ziel: Gott suchen und finden in allen Dingen und ihm mit Liebe dienen. Ein tragendes Element jeder Gemeinschaft ist ihre Sendung, die ihre Kräfte zusammenkittet. Für die Schwestern ist es das freudig und intensiv gelebte Zeugnis des gottgeweihten Lebens an den verschiedensten Orten, zu dem sie besonders denen den Weg zeigen wollen, die durch seine Gnade dazu berufen sind.

Das sind einige Merkmale der Spiritualität der Gemeinschaft. Wo sind sie enthalten? Wir können sagen, dass sie nicht so sehr in den Schriften und Büchern sind als vielmehr im Leben von P. Kunert SJ und den einzelnen Schwestern. Jede von ihnen macht ein Merkmal mehr sichtbar. Eine ist durch ihre Tatkraft und Entschiedenheit eine Verkörperung der Dynamik der Gemeinschaft, eine andere unterscheidet empfindsam, von welchem Geist etwas getragen ist, und wieder eine andere kann junge Menschen in der Suche ihrer Lebensberufung mit Gefühl begleiten. So lernen die Schwestern durch das gegenseitige Beispiel die ganze Breite und den Reichtum der Spiritualität der Gemeinschaft verstehen und muntern einander zu deren Verinnerlichung auf und zum noch echteren Zeugnis eines Lebens, das ganz Gott geweiht ist.

SSJ und Gesellschaft Jesuspiritualita1

Die Gemeinschaft der Schwestern Jesu ließ sich von Anfang an tief von der ignatianischen Spiritualität inspirieren. Die Berufung der Schwestern wächst aus den Exerzitien des hl. Ignatius heraus, der seit seiner Heiligsprechung im Jahr 1622 zum geistlichen Reichtum der ganzen Kirche gehört.

Auch wenn sich die Gemeinschaft zur gleichen Spiritualität wie die Gesellschaft Jesu und eine Reihe anderer Gemeinschaften meldet, erhebt sie keinerlei Anspruch auf einen weiblichen Zweig des Jesuitenordens. Sie bewahrt sich ihre notwendige Selbständigkeit und Unabhängigkeit, was eine mögliche Zusammenarbeit nicht ausschließt.